Logo Märchenwald-Rundweg Rundweg durch den Märchenwald Einbeck

Informationen

Der Märchenwald-Rundweg ist knapp drei Kilometer lang und führt über 15 Stationen durch verschiedene Waldbereiche. Anstelle von Infotafeln gibt es die Informationen online (funktioniert gespeichert auch offline).
Falls Sie kein Mobilgerät haben, können Sie diese Website (rundweg.maerchenwald-einbeck.de) zuhause für den nächsten Spaziergang ausdrucken.

Warnung

Im Märchenwald mit seinen uralten Bäumen besteht eine erhöhte Gefahr durch herabbrechende Äste und umstürzende Bäume. Deswegen den Wald bei Wind, bei Schneebruchgefahr und bei Dunkelheit nicht begehen! Bitte umgehen Sie zum Weg geneigte tote und absterbende Bäume. Sie können dazu den Weg verlassen. Das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr.
Der Rundweg hat im Bereich der Stationen 3-5 und 10-11 pfadartige Abschnitte, die sich gar nicht für Rollstühle und allenfalls für extrem geländegängige Kinderwagen eignen, aber durch sehr interessante Waldteile führen.

Impressum, Datenschutz und mehr

Auf der Haupt-Website maerchenwald-einbeck.de finden Sie viele weitere Informationen, Fotos, Zeitungsartikel und Forschungsergebnisse zum Märchenwald.
Datenschutzerklärung und Impressum gelten auch für diese Subdomain zum Märchenwald-Rundweg.

Feedback

Verbesserungsvorschläge, Fehlermeldungen und Anmerkungen können Sie an rundweg@maerchenwald-einbeck.de schicken. Vielen Dank.

Karte

Karte Märchenwald-Rundweg

Auf der Karte können Sie Ihre Position auf dem Rundweg verfolgen, indem Sie auf den Button unterhalb der +/-Buttons tippen. Das setzt natürlich voraus, dass Sie den Standortzugriff erlauben und ihr Mobilgerät GPS-Empfang hat. Wenn beides der Fall ist, wird Ihre aktuelle Position als blauer Kreis angezeigt.

Folgen Sie dem Weg einfach in Reihenfolge der Stationsnummern. Der Weg führt in zwei Schlaufen auf 3 km Länge durch den Märchenwald und angrenzende Waldbereiche – überwiegend auf kleinen Pfaden.

Die einzelnen Stationen sind im Gelände mit Nummern-Schildern markiert und Wegabzweigungen mit Pfeil-Schildern.

Station 1: Infotafel / Start vom Rundweg

Willkommen im Märchenwald. Hier wird seit 2012 im Einbecker Stadtwald ein uriger Wald mit märchenhaften Bäumen geschützt. Mit seinen alten Bäumen und viel totem Holz ist dieser Wald von herausragender Bedeutung für den Naturschutz. Die Stationen des Rundwegs berichten über diese Bedeutung, über Tiere und Pflanzen und die Geschichte. Der Weg führt dabei sowohl durch den Märchenwald selbst, wie auch durch angrenzende Bereiche mit alten Baumgruppen.

Hinter der Infotafel befindet sich eine periodische Quelle in einer lehmigen Mulde, deren Bachlauf nach wenigen Metern wieder im Kalkgestein versickert. Dahinter lag im Mittelalter die Siedlung Winnefelde, die nach neuen Erkenntnissen ein landwirtschaftlicher Hof des bei Stadtoldendorf gelegenen Zisterzienserklosters Amelungsborn war. Damals war das gesamte Umfeld der Siedlung, das »Wendfeld«, entwaldet und in Ackernutzung.

Im 14. Jahrhundert wurde nach Klimaverschlechterung und Bevölkerungsrückgang – durch Hungersnöte und die Pest – die Ackernutzung und wohl auch der Hof aufgegeben. In den folgenden Jahrhunderten dienten die wiederbewaldeten Bereiche vom Wendfeld überwiegend als Hutewald, in dem das Vieh zur Waldweide gehütet wurde.

Der Märchenwald ist Überrest jahrhundertealter historischer Eichenaufforstungen mit Hutewaldnutzung und anschließender sogenannter Mittelwaldnutzung. Er entwickelt sich seit Jahrzehnten in Richtung natürlicher Buchenmischwald und weist eine besondere Vielfalt seltener altholzbewohnender Tier- und Pilzarten auf.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Forstweg rechts der Infotafel 230 Meter ostwärts, bis auf der linken Wegseite die Imig-Eiche die Station 2 bildet.

Mittelalterlicher Holzschnitt
Landwirtschaft im Mittelalter (Holzschnitt, public domain)

Station 2: Eichen und Mittelwald

Die ca. 170 Jahre alte Eiche mit der Gedenktafel für einen ehemaligen Stadtförster ist, wie viele Eichen im Märchenwald, schon in geringer Höhe verzweigt. Das deutet darauf hin, dass sie ohne große Bäume im Umfeld aufwuchs.

Eichen kommen auf diesen Berglandstandorten selten natürlich vor. Sie wurden etwa ab dem Jahr 1500 gepflanzt, da ihre Eicheln für die Schweinemast notwendig waren und das dauerhafte Holz für Fachwerkhäuser gebraucht wurde. Die zwischen den weiträumig stehenden großen Bäumen aufkommenden Sträucher und kleineren Bäume wurden alle paar Jahre als Brennholz gehauen. Zeitweise weidete das Vieh. Auch nach dem Ende der Waldweide wurde bis vor 100 Jahren der Brennholzschnitt fortgeführt. Man nennt diese Waldbewirtschaftungsform Mittelwald, da sie den häufig wiederkehrenden Brennholzeinschlag (Niederwald) mit dem Erhalt großer Bäume zur Bauholzgewinnung (Hochwald) kombiniert.

Inzwischen sind die ehemaligen Stockausschläge der Niederwaldbäume zu großen Bäumen herangewachsen und überall junge Buchen dazwischen aufgekommen. An der Stammbasis verzweigte oder mehrstämmig aufgewachsene Bäume lassen die Herkunft aus Stockausschlägen noch erkennen. Beispielsweise ist links neben der alten Eiche eine Hainbuche von unten an verzweigt.

Die runden Mulden im Boden, die Ihnen im weiteren Wegverlauf gleich hinter der Eiche und an verschiedenen Stellen im Märchenwald auffallen werden, sind nicht etwa Bombenkrater, sondern natürlich entstandene Erdfälle. Ihre Entstehung wird an Station 13 erklärt.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Forstweg noch 25 Meter bis hinter einem kleinen Erdfall ein Pfad nach links in den Märchenwald führt. Auf diesem Pfad erreichen wir nach weiteren 80 Metern die Station 3.

Eichen im Reinhardswald
Planmäßig für die Schweinemast im Wald gepflanzte Eichen im Reinhardswald (Foto: Philipp Küchler)

Station 3: Waldpflanzen auf Kalkboden

Der »Hube« genannte Höhenzug, auf dem sich der Märchenwald befindet, ist aus Muschelkalk-Gesteinen aufgebaut. Neben kalkreichen Böden kommen im Wendfeld auch bodensaure Standorte vor, auf denen kalkliebende Pflanzen fehlen.

Hier sind wir im kalkreichen Bereich. Sehr deutlich ist das an der bunten Blütenvielfalt am Waldboden im Frühjahr zu erkennen. Kalkzeiger sind hier beispielsweise der rosa blühende Seidelbast, die violett blühenden Leberblümchen, die rotviolette Frühlings-Platterbse, das Manns-Knabenkraut und das Gelbe Windröschen.

Zu anderen Jahreszeiten sind die Bodeneigenschaften weniger offensichtlich in der Vegetation zu erkennen. Aufmerksamen Beobachtern fällt ganzjährig die große Baumartenvielfalt mit viel Bergahorn und Eschen auf. Ganz offensichtlich wird das Vorkommen von Kalkgestein in diesem Bereich, wenn man unter die Wurzeln umgekippter Bäume im Umfeld guckt und Steine findet.

Wie der gesamte Märchenwald ist dieser Waldteil seit 2012 ohne forstwirtschaftliche Eingriffe. Die Entwicklung vom stark genutzten Mittelwald zu einem urwaldartigen Lebensraum ist in vollem Gang.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Pfad weitere 200 Meter bis zur Station 4.

Eichen im Reinhardswald
Die Frühlings-Platterbse ist ein Kalkzeiger (Grafik: C.A.M Lindman, public domain)

Station 4: Bodensaurer Eichen-Hainbuchenwald

Ab diesem Bereich abwärts ist das Gelände von entkalktem Lösslehm überlagert, der zudem zeitweise Nässe staut. Das hat die Weiterentwicklung des durch die Mittelwaldwirtschaft bedingten Eichen-Hainbuchenwalds zum natürlichen Buchenwald etwas verlangsamt, da die Konkurrenzkraft der Buche hier nicht ganz so stark ist. Eichen, Haselbüsche und Hainbuchen sind an dieser Stelle immer noch dominierend.

Kalkzeiger unter den Pflanzen fehlen. Im Frühjahr sehen wir vor allem weiße Blütenfarben am Waldboden. Den Buschwindröschen sind kaum Gelbe Windröschen beigemischt. Im Mai folgt hier großflächig die Blüte der Hain-Sternmiere.

Auffallend sind links des Pfads noch ein mehrstämmig aus Stockausschlägen aufgewachsener Bergahorn und eine abgestorbene und umgebrochene Altbuche.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Pfad noch gut 100 Meter bis zur Station 5.

Zeichnung Hain-Sternmiere
Hain-Sternmieren sind im Märchenwald weit verbreitet und kommen auf den kalkarmen Stellen bodendeckend vor (Grafik: Flora Batava von 1822, public domain)

Station 5: Birken – Zeugen einer Waldauflichtung

In diesem Teil vom Märchenwald fallen Birken auf, die etwa 120 Jahre alt sind. Sie haben ihr mögliches Höchstalter bald erreicht und manche sind daher schon am Absterben. Auch haben die Winterstürme einige von ihnen umgeworfen. Unter ihren Wurzeln finden wir keine Steine; auch hier sind wir in dem Waldteil mit bodensaurer Lösslehmauflage.

Neben den häufigen Hängebirken sind die sonst nur an Feuchtstandorten stehenden Moorbirken beigemischt. Birken können nur dort keimen und aufwachsen, wo sie genug Licht haben. Diese Birken erzählen uns also von starker Auflichtung dieser Fläche um 1900, die auch eine vorübergehende Vernässung des lehmigen Standorts bewirkt haben muss. Vermutlich hat eine Bodenverwundung die Keimung der Birken begünstigt.

In der Strauchschicht sind hier, wie an vielen Stellen im Märchenwald, Haselbüsche stark vertreten. Haseln lieferten ein begehrtes Brennholz und waren typisch für eine historische Mittelwaldnutzung, in der die Brennholzschicht im Abstand von nur wenigen Jahren »gehauen« wurde. Sie können sich aber auch (insbesondere auf feuchten lehmigen Standorten) als Schattenzeiger unter dichter werdenden Baumkronen ausbreiten, wenn der regelmäßige Kahlschlag im Unterholz zur Brennholzgewinnung eingestellt wird, um den Wald zu einem Hochwald zu entwickeln.

Im Märchenwald hat die allmähliche Umwandlung zum Hochwald mit Einstellung des häufigen Brennholzeinschlags im Unterholz vor ungefähr 80 Jahren begonnen. Ein Forstprotokoll von 1937 hält im sogenannten Kulturmerkbuch für diese Abteilung fest: »Der Bestand ist noch nicht umzuwandeln, da er von den Mittelwaldeichenbeständen am meisten geschlossen ist.« Im Klartext heißt dies, dass die Förster damals im Märchenwald auf eine radikalen Waldumbau mit Kahlschlag und Neupflanzung verzichtet haben. Stattdessen erfolgten bis 2012 ein Einschlag einzelner Altbäume und einzelne Anpflanzungen – etwa von Lärchen, die zwischen den Laubbäumen stehen. In anderen Waldteilen auf dem Wendfeld war die Umwandlung radikaler, so dass dort heute nur noch wenige Alteichen zu finden sind.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Pfad noch 40 Meter bis zu einem etwas breiteren Weg. Dort biegen wir rechts ab und erreichen nach weiteren 230 Metern die Station 6.


Heute noch zur Brennholzgewinnung bewirtschafteter Mittelwald in Franken. Durch häufigen Einschlag und Auflichtung bildet sich eine Unterschicht aus Stockausschlägen und Sträuchern aus (Foto: Philipp Küchler)

Station 6: Habitatbäume

Nun haben wir den nur 24 Hektar großen Märchenwald ostwärts verlassen und erreichen Waldteile, in denen einzelne Altbäume stehen. Viele von ihnen sind mit einem x markiert. Dieses Zeichen bedeutet in niedersächsischen Wäldern »Habitatbaum«. Biotopbäume oder Habitatbäume sind ältere Bäume, die besondere Lebensräume für Tierarten und Holzpilze bieten, wie etwa Baumhöhlen, Verwachsungen, ungewöhnliche Kronenformen, Totholz. Sie werden nach einem fachlichen Kriterienkatalog ausgewählt und dauerhaft im Wald geschützt – auch dann, wenn sie bereits abgestorben sind und in sich in der natürlichen Zerfallsphase befinden.

An dieser Stelle sind sechs Rotbuchen als Habitatbäume registriert. An ihnen fällt auf, dass die Stämme bereits in geringer Höhe gegabelt sind. Ihr Holzwert ist daher gering; ihr Wert für den Naturschutz um so höher, da die Gabelung besondere Strukturen schafft und auch Baumpilze begünstigt.

Außerhalb vom Märchenwald ist der Einbecker Stadtwald mit durchschnittlich nur 2 Habitatbäumen pro Hektar sehr arm an Altbäumen. Nur hier in der östlich an den Märchenwald anschließenden Forstabteilung ist die Habitatbaumquote mit 5 Bäumen pro Hektar deutlich höher.

Im Märchenwald selbst stehen 52 Habitatbäume pro Hektar, wie Untersuchungen von Forststudenten ergaben. Da der Märchenwald geschützt ist, sind dort keine Habitatbäume markiert.

Sicherlich sind Ihnen die beiden Erdwälle an dieser Station aufgefallen. Es sind die Überreste einer historischen Landwehr. Sie wird in Station 8 erläutert. Der Weg folgt den Erdwällen bis dorthin.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Weg 70 Meter bis zur Station 7.

Foto Habitatbäume
Markierte Habitatbäume an Station 6 (Foto: Philipp Küchler)

Station 7: Nadelbäume und Holznutzung

Hier stehen wir vor einer Gruppe von Douglasien, die auf Erdwälle der ehemaligen Landwehr gepflanzt sind. Ein alter Bergahorn dahinter und eine besonders große Douglasie sind als Habitatbaum gekennzeichnet.

Nadelbäume wie Douglasien, Fichten und Lärchen kommen von Natur aus in dieser Gegend nicht vor. Sie sind alle angepflanzt, um Bauholz zu gewinnen. So auch der Fichtenforst hinter uns. Bei natürlicher Waldentwicklung werden die Nadelbäume an Standorten wie im Märchenwald allmählich wieder verschwinden, da die Buche hier konkurrenzstärker ist.

Einzelne Nadelbäume können die Artenvielfalt bereichern und Nischen für manche Tierarten bieten. Aus Naturschutzsicht sind Nadelholzforsten insgesamt aber problematisch, da sie den Boden verändern und ganzjährig beschatten, so dass die standorttypischen Waldbodenpflanzen nicht mehr wachsen können. Auch bieten Nadelbäume und der veränderte Bodenbewuchs darunter nicht die Nahrung, die z.B. Insekten der Laubwälder benötigen.

Douglasien sind ein nordamerikanische Tannenart und werden dort über 100 Meter hoch. Auch in Europa sind angepflanzte Douglasien die höchsten Bäume. Über 65 Meter haben sie in Süddeutschland schon erreicht. Sie haben einen auffälligen Orangengeruch – reiben Sie mal an den Nadeln der kleinen Douglasie vor uns.

Fichten sind zwar in den regenreichen Hochlagen vom Harz natürlich; im übrigen Südniedersachsen aber nicht. Viele Fichtenforste haben mit den zunehmend trockenen Sommern Probleme und werden dann von Borkenkäfern zum Absterben gebracht. Förster rechnen daher damit, dass wegen des Klimawandels der Anbau von Fichten in vielen Wäldern wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Weg noch 250 Meter bis ein links abzweigender Pfad die Station 8 markiert.

Foto Zapfen
Zapfen der Douglasie links und der Fichte rechts (Fotos: Walter Siegmund und Rosa-Maria Rinkl, CC-BY-SA 2.5)

Station 8: Wallsystem der Landwehr

Die Erdwälle vor uns sind eine alte Grenzbefestigung. Der Aushub aus den zwei parallelen Gräben wurde zu zwei Wällen in der Mitte angehäuft, die mit einer Dornenhecke bepflanzt war. Die Gräben verhinderten jegliche Befahrung. Eine gepflegte und verflochtenen Dornenhecke auf den Wällen war für Reiter und teilweise auch für Fußgänger unpassierbar, so dass ein Übergang nur an bewachten Durchgängen, wie etwa dem Hubeturm, möglich war. Somit konnte man beispielsweise Holzdiebstahl wirksam verhindern.

Diese Landwehr wurde nach 1620 von der Stadt Einbeck angelegt, nachdem sie dem Herzog von Wolfenbüttel die Jagd- und Waldweiderechte auf dem Wendfeld abgekauft hatte. Vorher lag die Stadtgrenze mehrere hundert Meter weiter südlich und war ebenfalls mit einer heute noch erkennbaren Landwehr gesichert. Diese ist als »Dornenhecke« in Akten von 1436 erwähnt, die die Schenkung des Wendfelds an das Augustinerkloster in Einbeck dokumentieren.

Auch heute stellt die Landwehr vor uns noch eine Grundstücksgrenze dar, über die nur wenige Wege führen. Laufen Sie den Pfad über die Erdwälle, so verlassen Sie den Einbecker Stadtwald und kommen in den »Greener Wald« genannten Landeswald (Niedersächsische Landesforsten – NLF).

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Hauptweg weitere 130 Meter und erreichen Station 9 an einer Stelle, an der eine große alte Eiche links vom Weg steht.

Grafik Landwehr
Schematische Darstellung einer einfachen Landwehr ohne Doppelwall (Grafik: public domain)

Station 9: Uralte Eichen

In diesem Bereich stehen noch einige alte Eichen rechts und links des Weges, die durch ihre Größe und Durchmesser in Kombination mit den mächtigen Ästen in der Baumkrone beeindrucken. Sie sind über 250 Jahre alt.

In den Kronen alter Eichen können mehr verschiedene Insektenarten leben, als bei jeder anderen heimischen Baumart. Insgesamt sind rund 1000 Arten in Mitteleuropa an Eichen gebunden. Viele Arten davon sind auf das Holz abgestorbener Eichenäste und -Stämme angewiesen. Da mächtige alte Eichen sehr langsam verrotten, kann ihr Holz noch lange besiedelt werden.

In Deutschland ist statistisch zwar jeder zehnte Waldbaum eine Eiche, doch alte Eichen und Eichentotholz sind rar. Die alten Eichen in und um den Märchenwald sind daher für den Naturschutz besonders wichtig.

Für Tierarten, die auf Alt- und Totholz angewiesen sind, stellen die Eichen hier Trittsteine zwischen den geschützten Bäumen im Märchenwald und den von den Niedersächsischen Landesforsten aus der Nutzung genommenen Altbuchenflächen im Greener Wald dar, die einen Kilometer weiter östlich beginnen. Nur 250 Meter östlich von diesem Punkt liegt zudem ein Eichenbestand im Landeswald, der als Habitatfläche mit Eichen gepflegt wird und somit einen weiteren Trittstein bildet.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Weg weitere 150 Meter und erreichen die Wegkreuzung mit der einer Köhlerhütte nachempfundenen Schutzhütte. Wer dort ein paar Meter weiter nach links geht, sieht den Erdwall der älteren Landwehr, die den Forstweg kreuzt. Der Rundweg biegt aber bereits VOR dem Forstweg rechts in eine Schneise ab (die Schneise liegt gegenüber der Schutzhütte). Dort erreichen wir nach 40 Metern die Station 10.

Foto Eiche
Eiche bei Station 9 östlich vom Märchenwald (Foto: Philipp Küchler)

Station 10: Spechte im Wald

An Station 10 neigt eine Eiche einen abgestorbenen Kronenast über die Schneise. In der Eiche ist ein großer Hohlraum oben im Stamm zu erkennen. Solche Spalten werden von Fledermausarten als Sommerquartier benötigt.

Außerdem sind am Stamm und vor allem an einem der Hauptäste insgesamt mindestens 14 Spechtlöcher zu erkennen, die wohl vom Buntspecht oder vom Mittelspecht stammen. Im Märchenwald und seiner Umgebung leben alle sechs in Niedersachsen in Wäldern heimischen Spechtarten: Der große Schwarzspecht, der häufige Buntspecht, sowie Mittelspecht, Kleinspecht, Grünspecht und Grauspecht. Viele haben so große Reviere, dass ihnen der 24 Hektar große geschützte Wald nicht ausreicht. Sie sind daher darauf angewiesen, auch im Umfeld für die jeweilige Spechtart geeignete Baum- und Lebensraumstrukturen vorzufinden. Spechte profitieren von urwaldartigen Wäldern mit alten und abgestorbenen Bäumen, wobei jede Art eigene Ansprüche hat und andere Nischen im Wald nutzt.

Die heute seltenen Kleinspechte sind eine Art der Mittelwälder, Auwälder und anderer parkartig strukturierter Baumbestände. Sie brauchen Weichhölzer zum Höhlenbau – im Märchenwald sind es die alten Birken – und sie leben überwiegend in den Baumkronen. Noch rarer sind Grauspechte geworden. Sie sind in der Rote Liste Niedersachsens als stark gefährdet eingestuft. Sie brauchen ebenfalls weiche Hölzer morscher Bäume zum Höhlenbau; ernähren sich aber im Gegensatz zum Kleinspecht viel am Boden von Ameisen und anderen Insekten auf in der Nähe liegenden Wiesenflächen. Für den Märchenwald besonders charakteristisch sind die Mittelspechte, die ihre Nahrung stochernd in der rauen Borke alter Kronenäste finden.

Alle Spechte zimmern mehrere Baumhöhlen zum Nisten und zum Schlafen. Von dem Höhlenangebot profitieren anschließend andere höhlenbrütende Vogelarten, wie auch Fledermäuse. Der Märchenwald alleine ist für die Reviere der größeren Spechtarten zu klein. Daher ist ein Erhalt alter und toter Bäume auch im umliegenden Wald für die Spechte lebensnotwendig.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir umgehen die schief stehende Eiche sicherheitshalber auf der rechten Seite und können dabei die schuppiger Rinde eines großen Bergahorns betrachten. Dann folgen wir der Schneise weitere 70 Meter. Anschließend biegen wir rechts ab. Wenige Meter nach der Abzweigung erreichen wir eine Gruppe großer Buchen an Station 11.

Foto Mittelspecht
Mittelspecht an Eichenborke (Foto: Francesco Veronesi, CC-BY-SA 2.0)

Station 11: Altbaumgruppen

Die dicken Buchen um uns herum sind ca. 140 Jahre alt. Spätestens in diesem Alter werden sie im Wirtschaftswald gefällt – außer sie sind wie diese Bäume hier als Habitatbäume von der Holznutzung ausgeschlossen. Ab diesem Alter nimmt der Wert der Bäume gerade für Tierarten, die auf Bäumen leben, wie auch für holzbewohnende Pilz- und Flechtenarten deutlich zu. Das liegt daran, dass dann mehr Strukturen im Holz entstehen, die besiedelt werden können. Zum Beispiel abgestorbene Äste und Kronenteile, Risse und Höhlungen im Holz.

Mittelspechte benötigen raue Borke an den Kronenästen zur Nahrungssuche und können daher Buchen erst ab einem Alter von über 140 Jahren besiedeln. Der reine Holzwert nimmt dann nur noch wenig zu oder gar ab. Daher werden Bäume im Wirtschaftswald ab einer bestimmten Dimension gefällt. Altholzbewohnende Arten sind aus diesem Grund sehr selten geworden.

Eichen wachsen langsamer als Buchen und entwickeln die Altholzeigenschaften entsprechend später. Die weniger dicken Eichen im näheren Umfeld der Altbuchen hier dürften mindestens so alt wie die Buchen sein.

Für die altholzbewohnenden Tierarten und Pilzarten des mit 24 Hektar nicht sehr großen Märchenwaldes wäre es ideal, wenn im Umfeld weitere Lebensräume für sie entstehen, indem Baumgruppen wie diese hier alt werden dürfen.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Weg weiter, erst nach links, dann rechts. Nach insgesamt 200 Metern erreichen wir einen Wegteil an der Landwehr, den wir bereits gegangen sind. Dort links einbiegen und fast 500 weitere Meter bis zur Station 12 laufen. Es geht dabei zurück in den Märchenwald und wir kommen abermals an den Stationen 7 und 6 vorbei. Station 12 liegt dann auf der rechten Wegseite.

Grafik Mikrohabitate
Fünf Beispiele für Strukturen, die den Wert alter Bäume ausmachen können: Tief verzweigte Krone mit Spechtloch, Stammhöhle, Stammrisse, abstehende Borke, abgestorbenes Holz (Grafik: verändert nach Katalog der Baum-Mikrohabitate)

Station 12: Natürliche Waldentwicklung zum Buchenurwald

Rechts vom Weg sehen wir dicke alte Eichen in einem Dickicht dünner Buchen. Ein Teil einer Baumkrone ist zu uns heruntergebrochen. Der Altersunterschied ist offensichtlich. Viele Buchen konnten erst nach dem Ende der Mittelwaldnutzung aufwachsen, nachdem zwischen den Altbäumen keine regelmäßige Rodung zur Brennholzgewinnung mehr erfolgte.

Die Buche ist die Baumart, die hier ihren natürlichen Standort hat und langfristig den Wald dominieren wird. Der aus der Holznutzung genommene Märchenwald wird sich daher langfristig zu einem Buchenurwald mit alten Buchen und einigen beigemischten Laubhölzern entwickeln.

Diese Entwicklung ist schon lange unumkehrbar. Die alten Eichen sind seit dem Ende der Mittelwaldwirtschaft von jüngeren Buchen und Hainbuchen umgeben und daher in die Höhe gewachsen, um mehr Licht zu bekommen. Eine erneute drastische Freistellung, wie zu Zeiten der Mittelwaldwirtschaft üblich, würden die meisten von ihnen nicht überleben. Junge Eichen könnten an diesem Standort aber nur bei starker Auflichtung und aufwändiger Pflege herangezogen werden.

Genauso wurde es vor Jahrhunderten bei Anlage der Eichenpflanzungen auf dem Wendfeld gemacht. Lichte Flächen zur Beweidung im Wald waren damals für die Viehhaltung ebenso nötig, wie Eicheln und Bucheckern für die Schweinemast. Eine andere Schweinehaltung war erst nach Einführung und Etablierung der Kartoffel möglich. Die Tiere mussten also im Wald gehütet werden und dabei die gepflanzten Eichen als Mastbäume vor Verbiss geschützt werden. Nach dem Ende der Waldweide im 18. Jahrhundert wurde das Wendfeld in Mittelwaldwirtschaft weiter genutzt, bis dann im 19. Jahrhundert eine Umwandlung zum Hochwald erfolgte – außer im Märchenwald.

Käfererfassungen im Märchenwald haben ergeben, dass schon jetzt nur wenige ausschließlich auf Eichen an gewiesene Arten vorkommen. Viele der seltenen altholzbewohnenden Käferarten, die gefunden worden, können auch auf Buchen leben - wenn diese nur alt genug sind.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Weg nur 60 Meter bis zur Station 13 auf der linken Wegseite.

Foto Wald
So wie dieser buchendominierte Naturwald im Steigerwald wird der Märchenwald auch eines Tages aussehen (Foto: Philipp Küchler)

Station 13: Erdfälle - Löcher im Boden

Links vom Weg ist eine Reihe von vier Mulden im Boden zu erkennen. Es sind Erdfälle. Sie entstehen, wenn im Untergrund ein lösliches Gestein weggelaugt wird und dann die Erdschichten darüber absacken. Hier auf der Hube sind das lösliche Gestein Gipslinsen in den tonigen Röt-Schichten des Unteren Buntsandstein. Die Röt-Schichten befinden sich direkt unter den Muschelkalkschichten und somit an dieser Stelle einige Dutzend Meter unter der Erdoberfläche.

Die Anordnung der Erdfälle in einer Reihe von Ost nach West deutet auf eine Verwerfung in der Tiefe hin, entlang der Wasser durch die Gesteinsschichten sickert. Solche Erdfälle sind im Umfeld vom Märchenwald, wie auch im anschließenden Greener Wald, sehr typisch. Im Märchenwald gibt es mindestens 16 Erdfälle, sowie einige flachere Mulden, die auch Vorstufen von Erdfällen sein könnten.

Viel größere Erdfälle als die auf der Hube sind in Südniedersachsen über Salzstöcken im tieferen Untergrund eingebrochen und haben dann Seen entstehen lassen. Beispiele sind der Denkershäuser Teich bei Northeim und der Seeburger See im Eichsfeld.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Weg weitere 70 Meter bis zur Station 14.

Grafik Erdfall
Schema der Erdfall-Entstehung (Grafik: public domain)

Station 14: Totholz lebt

Wir stehen an einer vitalen mächtigen Buche. Auf beiden Seiten vom Weg sind im weiteren Umfeld mehrere alte Buchen zuerst abgestorben und dann in einigen Metern Höhe abgebrochen. Die Stammreste sind mit zahlreichen Baumpilzen bedeckt. Beim Absterben haben sich Pilze im Holz ausgebreitet, die sich von der braunen Holzsubstanz Lignin ernähren. Dieser Vorgang wird wegen der Aufhellung des Holzes »Weißfäule« genannt und tritt nur bei feuchtem Holz auf. Da durch die Fäule die Festigkeit des Buchenholzes zerstört wird, können auch mächtige Stämme in einigen Metern Höhe abbrechen.

Totholz ist jedoch alles andere als tot. Bis ein Baum vollständig zersetzt ist, dauert es viele Jahrzehnte (zum Beispiel bei Birke 10-30 Jahre, Buche bis 50 Jahre und Eiche 80-100 Jahre). In dieser Zeit tobt darin das Leben. Ganze Gemeinschaften von Tieren und Pilzen leben im toten Holz. Je nach Feuchtigkeitsgrad, Baumart und Holzstärke sind es unterschiedliche Arten. Stehendes Totholz – wie Stämme und tote Äste in den Baumkronen – trocknet teilweise aus. Es entsteht dadurch ein anderer Lebensraum als bei liegendem Holz mit seinem permanentem Bodenkontakt.

Forschungen im Märchenwald ergaben im jahr 2015 einen Totholzanteil von 42 Kubikmetern pro Hektar. 40 bis 60 Kubikmeter gelten als Mindestwert, ab dem in Wäldern spezialisierte Naturnähezeiger unter den Käfern vorkommen. In Wirtschaftswäldern liegen die Totholzmengen dagegen durchschnittlich um die 12 Kubikmeter pro Hektar. Mit dem Absterben einiger Altbuchen und dem vorzeitigen Tod von Eschen durch das grassierende Eschentriebsterben wird sich die Totholzmenge im Märchenwald rasch erhöhen.

Im Märchenwald verbleibt alles Holz abgestorbener Bäume im Wald. Zur Wegesicherung muss allerdings manchmal an den Hauptwegen ein toter Baum gefällt oder zerlegt werden – so wie die Buche einige Meter weiter auf der linken Wegseite.

Bereiche mit absterbenden Bäume wie im Umfeld dieser Station verändern ihr Aussehen sehr schnell: Sie hinterlassen Lichtungen im Wald. In diesen Lücken keimen rasch viele junge Bäume und bilden bald ein vielschichtiges Dickicht zwischen den alten Stämmen.

Fortsetzung des Rundwegs:
Wir folgen dem Weg 80 Meter bis zu einer Kreuzung. Dort links den Forstweg aufwärts nehmen, um 100 Meter nach der Abzweigung Station 15 zu erreichen.

Foto Buche
Abgestorbene Buchen sind ein wichtiger Lebensraum für Pilze und Insekten (Foto: Philipp Küchler)

Station 15: Vergleich Märchenwald mit Laub-Wirtschaftswald

Der Forstweg in dem tiefen Tal zwischen zwei Kalkplateaus trennt den geschützten Märchenwald (links) von einem Wirtschaftswald (rechts). Obwohl dieser Wirtschaftswald von Baumarten und Bodenpflanzen her ein standortgemäßer naturnaher Kalkbuchenwald ist, können manche Waldtiere nicht darin leben. Dem hallenartigen Wald aus jüngeren gleichalten Bäumen fehlen bisher Altbäume und stehendes Totholz. Eine Strauchschicht ist nur stellenweise ausgebildet.

Ganz anders sieht es links im Märchenwald aus, wo die Bäume älter sind und eine mehrschichtige Waldstruktur mit verschieden großen Bäumen und Sträuchern besteht. Und wo der Wald seine Lebenszyklen mit Altbäumen, Zerfall, Totholz und Verjüngung vollständig durchleben darf.

Solche Wälder in natürlicher Entwicklung brauchen wir mehr, damit die Artenvielfalt der Wälder erhalten bleibt. Mit der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt hat die Bundesregierung das Ziel gesetzt: »Natürliche Entwicklung auf 10 % der Waldfläche der öffentlichen Hand bis 2020.« Unter natürlicher Waldentwicklung wird verstanden, dass der Wald unbefristet ohne forstwirtschaftliche Nutzung und Pflege bleibt. Während im Landeswald inzwischen zahlreiche Flächen aus der Holznutzung entlassen werden, passiert in anderen Wäldern bislang wenig.

Die Stadt Einbeck übernimmt bei den kommunalen Wäldern in Niedersachsen eine Vorreiterrolle: Der Märchenwald umfasst derzeit 4,8 % der Stadtwaldfläche. Einbeck dürfte es nicht schwerfallen, bis 2020 das Zehnprozentziel zu erreichen, indem bis dahin auch angrenzende Waldflächen der natürlichen Waldentwicklung überlassen werden.

Fortsetzung des Rundwegs:
Dies war die letzte Station des Rundwegs. Wir folgen dem Forstweg noch 300 Meter aufwärts um wieder zur Station 1 mit der Infotafel zurückzukehren.

Grafik Urwaldzyklen
Von den Phasen eines Urwaldzyklus fehlen im Wirtschaftswald Teile der Optimalphase (Klimax) und die artenreichen Zerfalls- und Zusammenbruchsphasen, die im Naturwald fast die Hälfte der Zeit eines Zyklus einnehmen (rote Markierung). Grafik nach Scherzinger, 1996.